Der Heiler

Willkommen in der Welt der FeenHier können sie über Fantasy, Mythologien und vieles anderes reden. Der Gasthof ist ein Ort der geistige Begegnung. Aber dazu singen und tanzen sie, denn so lieben uns die Götter!


Der Heiler

Messagepar Terraburg » 30 Mai 2011 18:25

Der Heiler
AngelzoomZögernd stand er in der Tür.

Er sah prüfend in den Himmel, betrachtete die grauen Wolken, die schnell gen Osten zogen, atmete tief die klare, kalte Morgenluft ein. Eine Weile stand er noch still da, bis die Ruhe wiederkehrte und er fühlte, was zu tun war.

Entschlossen wandte er sich um und betrat ein letztes Mal das Haus.

Irgendetwas in ihm sagte ihm, daß er nicht wiederkommen würde, doch er schenkte der Stimme keine Beachtung. Mit ein paar zielsicheren Handgriffen machte er sich bereit.

Bereit zu einer Reise, über deren Ausgang er selbst nichts zu sagen vermocht hätte, ja noch nicht einmal das Ziel war etwas, was er in Worte fassen konnte - falls es überhaupt ein Ziel gab.

Bevor er das Haus verließ, öffnete er den Kaninchenstall und ließ die Kaninchen frei. Die Katze war ohnehin freies Leben gewöhnt, sie würde jemand anderen finden, der sie ab und zu mit frischer Milch oder anderen Köstlichkeiten versorgte. Sie strich um seine Beine, als spürte sie den Abschied, und er kniete sich kurz zu ihr nieder und streichelte sie sanft.

Dann ging er entschlossen zum Stall und sattelte sein Pferd.

Das hier war nicht sein Zuhause. Er hatte ein Zuhause gesucht, und glaubte, es gefunden zu haben - bis ihm klar wurde, daß es für ihn kein Zuhause gab, keines im üblichen Sinn. Seine Heimat war die Wildnis, der Weg, die Weite.....

Er ritt davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

Lange Zeit ritt er, ohne an irgendetwas zu denken, er ritt und ritt und ließ alles hinter sich, was vergangen war.

Das Abenteuer hatte begonnen.

An einer tiefen Schlucht machte er halt.
Ein wilder Gebirgsfluß bahnte sich donnernd seinen Weg durch den Fels, und er setzte sich ans Flußufer, unter einen riesigen uralten Baum und wartete. Er betrachtete die flachen, glatten Kiesel am Ufer, und er sah am Himmel über sich die Wolken dahinziehen, leicht und mühelos, und es klarte sich auf. Ein Sonnenstrahl berührte sanft sein Gesicht. Er schloß die Augen für einen Augenblick.
Die Sonne zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht, und der würzige, erdige Geruch des Herbstes strömte in ihn ein, bis er ihn ganz erfüllte, bis in alle Poren seiner Haut, in alle Winkel seines Wesens.

Langsam stand er auf, mit geschlossenen Augen zuerst, dann öffnete er sie und betrachtete wieder den Himmel. Eine Schar Zugvögel suchte sich kreischend und tanzend den Weg nach Süden.
Er fühlte die Erde unter seinen Füßen, die ihn trug wie immer.
Langsam begann er sich zu drehen, nach links, immer weiter und weiter, bis die Bewegung aufhörte und die Stille kam und umfing ihn sacht und die Freude strömte aus seinem Herzen und löste alles auf, was dazwischen lag.

Lange Zeit später, als er am Feuer saß und das Spiel der Funken und Flammen betrachtete, geschah es plötzlich.

Es geschah immer plötzlich und noch nie war es ihm gelungen, mehr darüber herauszufinden.
Es kam einfach, und es war sofort wieder verschwunden, in dem Augenblick bereits, da er es spürte.

Es war wie ein Rufen aus einer unbestimmten Wirklichkeit, von fern, wie ein Signal in seinem Herzen, und er fühlte die Dringlichkeit.

Vorsichtig erspürte er die Richtung des Rufes, bis er sicher war, dann erhob er sich.
Er löschte sorgfältig das Feuer, streichelte sein Pferd sanft an den Flanken und ritt los.

Nach kurzer Zeit wurde der Weg sehr steinig, und sie kamen nur schleppend voran. Wildes Gestrüpp durchzog die kärglichen Hügel, es wurde kälter, und der Wind pfiff durch die Bäume. Die Wolken waren wieder aufgezogen.
Er ritt, solange der Mond ihm genug Licht bot. Schließlich mußte er anhalten, denn Tiefe Dunkelheit umgab ihn und sein Pferd brauchte Erholung.

Bei Anbruch der Dämmerung machte er sich wieder auf den Weg. Noch immer war der Himmel bedeckt mit dicken, schweren grauen Regenwolken und er wußte, es würde ein stürmischer Tag werden.
Bald hatten sie das unwegsame Gebirge verlassen, und nun jagten sie durch die Steppe, weiter und weiter.
Er gönnte sich nur kurze Pausen. Er wußte, daß jede Stunde zählte.

Das Gewitter brach unvermittelt los. Es blitzte und donnerte, und das Pferd scheute zuweilen, doch er spürte, er konnte nicht warten.

Sie ritten durch den peitschenden Regen in die beginnende Nacht. Der Sturm nahm ihm fast den Atem, doch er ließ nicht locker. Lange ritten sie so dahin, und das Pferd und sein Reiter verwoben sich zu einem Ganzen, das rhythmisch durch die Dämmerung jagte, bis es keine Zeit mehr gab.

Irgendwann legte das Gewitter sich allmählich, der Sturm wurde schwächer, und er machte eine kurze Rast unter einem Felsvorsprung.
Sie befanden sich nun nahe bei einem dichten Wald in hügeligem Gelände, und die Wolken rissen auseinander.

Der Mond ging auf.

Er versorgte das Pferd mit frischem Wasser und wechselte die Kleidung.
Er ritt langsam jetzt, sorgsam auf den Weg achtend, in die Richtung, die sein Herz ihm wies. Der Wald wurde langsam lichter und war nun von Feldern und Wiesen durchzogen.

Unvermittelt stand er vor einer uralten, mächtigen Festung.
Er wußte augenblicklich, daß dies der Ort war, wo er gebraucht wurde.
Etwas Schweres umgab diesen Platz. Die Ruhe war eine trügerische Ruhe, sie barg Gefahr und Dunkelheit.
Er stand abwartend vor dem Eingang, atmete tief durch und sammelte seine Kräfte.

Schließlich trat er ein.

Man versorgte ihn mit frischem, kräftigem schwarzem Tee, und er trank ihn langsam in kleinen Schlucken. Sie fragten ihn nach seinem Namen und er wählte einen, der ihm gefiel und nannte ihn ihnen.
Sie waren freundlich, wenn auch vorsichtig und scheu.

Er stieg die steilen Stufen empor zur Zinne der Festung. Oben sah er über die Brüstung auf das weite Land unter ihm, und der Mond stand ruhig und schön am Himmel wie immer. Die Wolken hatten sich fast völlig verzogen, und die Luft war nach dem Regen klar und rein. Im Mondlicht sah er einen Falken auf Jagd.

Er schickte sein Herz zu ihm, und für einige Augenblicke verschmolz sein Geist mit dem Falken, sie wurden eins, und mit mit einem schrillen Schrei zogen sie kreisend ihre Bahn, hoch oben. Jäh ließ der Vogel sich fallen, um eine Beute zu erlegen.
Er verließ den Falken und kehrte zu seiner innersten Quelle zurück. Noch einmal sammelte er seine Kräfte, er wußte, er würde sie brauchen heute nacht.

Nach einem letzten Blick auf den monddurchfluteten Wald wandte er sich um und begann seine Arbeit.
Langsam öffnete er sein Bewußtsein, machte sich leer und weitete seine Wahrnehmung aus, immer weiter, bis alles in seinem Bewußtsein war, was es zu erfahren gab. Er fühlte eine namenlose Dunkelheit in einem Winkel. Er wußte, daß es tödlich wäre, würde er seine Aufmerksamkeit diesem Dunkel gezielt zuwenden.

Schnell entschied er, was getan werden mußte. Er begann mit der Reinigung; er nahm das Dunkel, das Elend, den Staub aus jedem verborgenen Winkel auf und mit jedem Atemzug verwandelte er alle Energie in reines Licht, das er aussandte, vordringen ließ, vorsichtig, um niemanden zu erschrecken.

Dies war der gefährlichste Augenblick. Behutsam und sacht berührte er Finsternis und Angst, und die grauen Gestalten der Dunkelheit verschwanden durch das Licht, das ausströmte, und er füllte die Räume mit Liebe.

Als er erschöpft aufstand, wurde es bereits hell. Silberne Nebelschwaden zogen durch den frühen Morgen und verzauberten die Bäume und Sträuche in geheimnisvolle Wesen aus einer anderen Welt.

Nach der rituellen Reinigung verließ er die Festung. Sie hatten eine Unterkunft für ihn bereitgestellt, aber er konnte nicht bleiben.
Er sattelte das Pferd, das erwartungsvoll in der dampfenden Stallbox stand, und ritt los.

Er fühlte sich leer und kraftlos, doch der junge Morgen schenkte ihm Frische, und als er am Waldrand angekommen war, wußte er, warum sein Herz voll Freude sang.

Sie saß an einer Lichtung und stocherte in ihrem Feuer herum. Der Feuerschein spiegelte sich in ihrem Haar und in ihrem Gesicht. Sie sah nur kurz auf, als hätte sie auf ihn gewartet. Dann schaute sie ihn lange an, und er fand zurück zur Stille...

Er setzte sich dicht zu ihr, ans Feuer, und barg seinen Kopf in ihrem Schoß. Sie sprachen kein Wort, und sie strich ihm sanft und unendlich liebevoll durchs Haar. Er spürte ihre Wärme und fühlte, wie sein Körper sich entspannte und die Müdigkeit war angenehm und friedvoll.

Irgendwann wachte er auf, aus tiefem Schlaf. Die Sonne wärmte ihn, und es duftete angenehm nach Essen. Er hörte sie singen und mit den Töpfen klappern, und er lauschte eine Weile dem Lied der Vögel und dem Rascheln der Blätter im Wind.

Als sie sein Erwachen bemerkte, setzte sie sich zu ihm und sie umarmten sich voll Zärtlichkeit.
Sie nahmen gemeinsam ihre Mahlzeit ein und für eine Weile umgab sie nur Frieden wie eine helle Wolke.

Sie sahen sich in die Augen, lange, und ihre Herzen tanzten das Lied der Freude. Sachte zog er sie an sich und sie öffneten sich füreinander und für das Licht, und Liebe erfüllte sie wie ein klarer Quell aus einem verborgenen Garten. Sie tauchten in ihn ein, in die Wärme, die Sanftheit, in alle Tiefen, bis sie verschmolzen mit dem Meer....

Viel später erhob er sich sanft. Er küßte seine schlafende Gefährtin, vorsichtig, um sie nicht zu wecken, und hinterließ eine Botschaft der Liebe. Er spürte die Vertrautheit, die Verbindung zwischen ihnen wie einen hellen silbernen Faden, unsichtbar, der ihre Herzen miteinander verwob, wo auch immer sie sich befanden....

Er packte seine Sachen und führte sein Pferd langsam aus der Lichtung, bis sie auf einen größeren Weg trafen. Die Nachmittagssonne tauchte alles in bunte Farben, und sie ritten langsam los, weiter in die Ferne.

Er mußte zum Meer, und der Weg war noch weit.
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