Schokoladenpudding

Willkommen in der Welt der FeenHier können sie über Fantasy, Mythologien und vieles anderes reden. Der Gasthof ist ein Ort der geistige Begegnung. Aber dazu singen und tanzen sie, denn so lieben uns die Götter!


Schokoladenpudding

Messagepar Terraburg » 30 Mai 2011 18:23

Schokoladenpudding
AngelzoomDer Wecker schrillte durch den Morgen. Er drehte sich um, unwirsch, und brachte mit einer einzigen Bewegung den Alarm zum Verstummen.
Langsam setzte er sich auf und rieb sich die Augen.
Was für ein merkwürdiger Traum!

Eigentlich hatte er etwas verworren angefangen, wie viele Träume. Er war mit einem Kollegen zusammen im Auto unterwegs zur Arbeit. Ein neuer Kollege, ein junger Mann mit wirren lockigen Haaren.... und er hatte sich verfahren. Komisch eigentlich, sich zu verfahren auf einer Strecke, die er schon im Schlaf kannte. Jedenfalls waren sie auf einer seltsamen Brücke, auf einmal, und die Brücke war eigentlich eher eine Achterbahn als eine Brücke und er hatte Mühe, den Wagen auf der Bahn zu halten.

Dann waren sie ausgestiegen und ein Stück mit der U-Bahn gefahren. Warum, wußte er nicht mehr, nur, daß er unruhig wurde, weil er ja zur Arbeit unterwegs war.
Sein neuer Kollege hatte ihn so komisch angesehen und etwas von "Zeitdilation" gesagt. Merkwürdigerweise hatte ihn das beruhigt, obwohl er keine Ahnung hatte, was "Zeitdilation" denn bedeutete.

Dann waren sie auf Freunde des neuen Kollegen gestoßen, das heißt, eigentlich war es zunächst einer, der sie dann mitnahm in eine große Wohnung. Luis, so hieß der Freund, war mittelgroß, wirkte ein bißchen südländisch und war von unbestimmbarem Alter, nicht mehr ganz jung jedenfalls, aber er hätte sein Alter beim besten Willen nicht schätzen können. Bemerkenswert an ihm war sein dichtes dunkles Haar, stellenweise von silbrigen Strähnen durchzogen, und seine tiefe, angenehme Stimme.

Eine ganze Truppe Leute teilte sich offenbar die Wohnung, und in der riesigen Wohnküche gab es Frühstück. Auch das Frühstück war -gelinde gesagt - etwas ungewöhnlich. Es bestand aus Schokoladenpudding mit verschiedenen Saucen dazu. Jeder nahm sich etwas aus einer großen Schüssel. Alle plauderten bunt durcheinander.

Der Freund seines Kollegen war, wie sich bei den Gesprächen herausstellte, offenbar früher Wissenschaftler gewesen. Irgendwann hatte er die Wissenschaft an den Nagel gehängt und sich dieser Schauspieler-Gruppe angeschlossen. Oder sie gegründet, das war nicht so ganz klar. Sie nannten sich "Magische Vagabunden" oder so ähnlich. Außerdem erfand er Theaterstücke und war ein exzellenter Musiker.
Später sollte sich herausstellen, daß er -nebenbei sozusagen- auch noch als Nachtportier in einem großen Hotel arbeitete. Das, so erklärte er, brauche er für seine Visionen und beschrieb, welche unglaublichen und skurrilen Szenen sich nachts in so einem Hotel manchmal abspielten.

Er fand es erstaunlich, daß jemand gleich drei Berufe auf einmal hatte. Oder war es einfach normal?

Sie behandelten ihn nicht wie einen Fremden. Es war vielmehr eher so, als sei er schon immer dabeigewesen. Manchmal stellte ihm jemand eine Frage und hörte aufmerksam zu, wenn er antwortete. Besonders die Frau, die ihm gegenüber saß, musterte ihn oft, aber auf eine freundliche, liebevolle Weise. Sie hatte auffallende jadegrüne Augen, leicht schräggeschnitten, und sah ihm direkt in die Augen, lächelnd. Sie lachten alle viel.

Und sie waren alle irgendwie seltsam. Jeder von ihnen hatte mindestens ein ungewöhnliches Kleidungsstück an, eine farbige Weste mit Spiegeln oder zwei schillernde Federn. Trotzdem wirkte keiner von ihnen verkleidet. Ein buntes Häufchen Menschen verschiedenen Alters, und die ganze Unterhaltung mutete an wie ein Feuerwerk an Ideen und kreativem Austausch.

Irgendwann stellte er fest, daß es halb vier Uhr nachmittags war.

Er erinnerte sich mit jähem Schreck daran, daß er eigentlich seit heute morgen an seiner Arbeitsstelle sein sollte. Wo war die Zeit geblieben?

Die meergrüne Frau lächelte ihn nur freundlich an. Mach dir keine Sorgen, sagte sie, dabei hatte er kein Wort von sich gegeben. Es ist alles in Ordnung.

Und wieder beruhigte ihn das augenblicklich, ohne ersichtlichen Grund. Es war, als gehöre sein Alltag in ein anderes Leben. Und als sei es geradezu lächerlich, sich wegen so etwas auch nur Gedanken zu machen.

Verblüfft stellte er außerdem fest, daß seine Kleidung sich verändert hatte. Wann hatte er sich denn umgezogen? Und warum?

Er trug nun ein buntes Hemd mit weiten Ärmeln. Angenehme Farben, die ihm auf Anhieb gefielen. Aber wo zum Teufel kam das Hemd her? Und die Ringe an seinen Fingern?

Was passierte hier eigentlich? Was hatte er die ganze Zeit getan?

Ein leichter Schwindel überkam ihn. Er versuchte, herauszufinden, was geschehen war. Aber das einzige, was ihm vage in Erinnerung war, nebelartig, war eine Diskussion über Subraum-Anomalien. Er wußte noch, daß ihn irgendjemand etwas gefragt hatte. Und daß er eine ausführliche Antwort gegeben hatte. Dabei war ihm nicht einmal klar, was um alles in der Welt denn eine Subraum-Anomalie überhaupt war.

Obwohl er maßlos verwirrt war über die Situation, blieb ein anderer Teil von ihm völlig ruhig und gelassen. Etwas in ihm fühlte sich bedroht, doch eigentlich konnte er nirgends eine Bedrohung entdecken.

Ob in dem Schokoladenpudding irgendetwas gewesen war? Eine Droge? Er versuchte angestrengt, herauszufinden, welche Droge so eine Wirkung gehabt haben könnte. Es fiel ihm keine ein.

Was hatten sie mit ihm gemacht? Hatten sie überhaupt etwas gemacht?

Was hatte er gemacht? Hoffentlich nicht irgendetwas unglaublich Peinliches. Aber alle wirkten ganz normal. So schlimm war es offenbar dann doch nicht gewesen....

Luis, der Chef, nahm ihn kurz zur Seite. Er lächelte. Alles okay mit Dir? fragte er freundlich, als wisse er genau, was in ihm vorging.

Zu seiner Überraschung hörte er sich sich mit "ja" antworten.

Und es stimmte. Er fühlte sich geradezu abartig glücklich, von der Verwirrung in ihm einmal abgesehen.
Luis legte ihm freundschaftlich den Arm um die Schultern. Warte einfach ein bißchen, sagte Luis mit seiner angenehmen, sonoren Stimme. Du wirst es verstehen.

Was verstehen? fragte eine Stimme in ihm.
Was war hier los? War es eine Art Test? Wenn ja, dann hatte er weder vom Inhalt noch vom Ergebnis des Tests irgendeine Ahnung. Hatte er versagt? Hielten sie ihn für einen naiven Dorftrottel?
Aber keiner benahm sich abweisend ihm gegenüber.
Wer waren sie überhaupt?
Und gerade, als er Luis danach fragen wollte, hatte dieser verdammte Wecker geklingelt.



Er gähnte noch einmal ausgiebig und beschloß, den Traum einfach Traum sein zu lassen.

Heute abend würde er sich mit diesem Mädel treffen, das er neulich kennengelernt hatte. Um halb acht würde er sie abholen, und dann wollten sie ins Kino.

Hoffentlich würde es ihm gelingen, unterhaltsam und geistreich zu sein. Meistens hatte er das Gefühl, immer dann, wenn er eine wirklich interessante Frau traf, verwandelte sich sein Gehirn auf eine seltsame Art und Weise in eine Art klebrigen Grießbrei. Er gab nur absolute Platitüden von sich und je mehr er sich anstrengte, umso schlimmer wurde es.
Nachdem er fast eine halbe Stunde damit zugebracht hatte, zu überlegen, was er denn nun anziehen sollte, stieg er in sein Auto und fuhr zur Arbeit.

Als er am Abend -fünf Minuten zu früh -an ihrer Haustür klingelte, war er einigermaßen ruhig.
Sie öffnete ihm lächelnd die Tür.

Ich habe gedacht, Du möchtest vielleicht noch etwas essen, bevor wir gehen, sagte sie und bedeutete ihm, ihr in die Küche zu folgen.

Auf dem kleinen Holztisch standen zwei Kerzen, Teller, Besteck und Servietten.
Setz dich doch, sagte sie und stellte eine Schüssel auf den Tisch.
Und im sanften Schein der Kerzen wirkten ihre Augen irgendwie grün.

Du magst doch Schokoladenpudding, oder?
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